Josef Schuster, Vorsitzender des Zentralrats der Juden in Deutschland, würdigte ausdrücklich die Arbeit des Vereins. Er spiele eine wichtige Rolle im Kampf gegen Geschichtsklitterung, Gleichgültigkeit und Schlussstrich-Mentalität. Er bestärke den Glauben an eine Gesellschaft, die sich der Schrecken und der unmenschlichen Grausamkeit der Schoa immer bewusst sein wird. Jüdische Bauten gehen laut Schuster einher mit der Verantwortung, sie zu erhalten und wiederzubeleben. Die ehemalige Synagoge stehe im spirituellen Sinn für einen Dialog mit dem, „was keine materielle Form mehr besitzt“. In dem Haus der Kultur, der Demokratie-Erziehung und der Erinnerung an Geschichte und Leben der jüdischen Bevölkerung Obernbreits lebe etwas von diesem Geist weiter.
Ludwig Spaenle, Antisemitismusbeauftragter der bayerischen Staatsregierung, bescheinigte dem Verein, ein helles Licht in dunkler Zeit zu sein. Er habe der ehemaligen Synagoge Gesicht und Seele wiedergegeben. Das Wiedererwecken der Synagoge gebe millionenfach ermordeten Menschen verlorene Würde zurück, wenn Namen genannt würden, in ihrem Geist gearbeitet werde.
Stellvertretende Landrätin und Bürgermeisterin Susanne Knof ging von ihrer eigenen Erfahrung aus: 1996 habe von den jüngeren Einwohnern kaum jemand etwas über die ehemalige Synagoge gewusst. „Heute weiß im Ort jeder, was dieses Gebäude bedeutet. Das ist Ihr Verdienst“, sagte die Bürgermeisterin. Die Marktgemeinde habe den Verein dabei unterstützt, aus der ehemaligen Synagoge einen Ort der Erinnerung, der Begegnung, der Bildung und des Austauschs zu machen, wo Erinnerungen bewahrt und weitergegeben würden. Gerade die jüngsten Veranstaltungen hätten menschlich berührt.
Der Entdecker der Mikwe, des jüdischen Ritualbads, Hans-Christof Haas, gab einen Überblick über die Geschichte des Gebäudes. Für seine Dissertation hatte er monatelang in der damaligen Halle geräumt und vermessen und dabei mit Hartnäckigkeit das alte Wissen über die Mikwe bestätigen können. Die Synagoge wurde 1747 erbaut und nach Auflösung der jüdischen Gemeinde 1911 verkauft, danach als landwirtschaftliche Halle und Werkstatt genutzt. Das Restaurierungskonzept beinhaltete, die späteren Einbauten zu entfernen, das Tonnengewölbe und die Frauenempore zu restaurieren, aber auch viele Spuren späterer Nutzung zu erhalten. So kann man heute im Gebäude lesen wie in einem Buch.
Vorsitzender Scherer blickte auf die Vereinsgeschichte zurück. Er erinnerte an die Initiatoren Pfarrer Helmut Walz und Altbürgermeister Friedrich Heidecker, bis 2017 Vorsitzender. Wichtige Schritte waren die Übertragung des Eigentums von der Vorbesitzerin Maria Keinath auf den Verein, die Freilegung der Mikwe neun Meter und 48 Stufen unter Straßenniveau in 550 Stunden Eigenleistung, danach mit der Marktgemeinde als Projektträger die 360.000 Euro teure Sanierung bis zur Eröffnung 2013. So entstand durch Bewahren ein Raum für Begegnung und Erinnerung, auch mit Nachkommen jüdischer Bürger. Scherer bekräftigte, der Verein werde sich weiter für Toleranz und Vielfalt einsetzen.
Die Veranstaltung wurde musikalisch gestaltet von einer Klezmer-Formation aus Gaukönigshofen und vom Gesangverein Eintracht, dem Ende des 19. Jahrhunderts auch jüdische Sänger angehörten.
(Beate Krämer)
Der Verein dankt den Ehrengästen für ihr Kommen und ihre Grußworte, den Musikerinnen und Musikern vom Gesangverein Eintracht und der Klezmer-Formation aus Gaukönigshofen, allen Kuchenspenderinnen, allen Helferinnen und Helfern beim Auf- und Abbau sowie während des Festbetriebs, Olaf Stellenhofsky für die Pflanzendekoration, dem Bauhof Obernbreit für die logistische Unterstützung, Detlev Kranl für technische Unterstützung sowie den Vorstandsmitgliedern für die Organisation des Festes. Ausserdem danken wir herzlichst für alle Spenden!










