Ruhepol Obernbreit

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Er war mit John Kerry, dem amerikanischen Außenminister, bis Sonntag Abend bei der Sicherheitskonferenz in München, legte auf seinem Flug nach Berlin einen Zwischenstopp in Nürnberg ein, nur um sich ein Auto zu mieten, mit dem er am Montag nach Obernbreit fuhr in die Heimat seiner Vorfahren, am selben Abend dann nahm er das Flugzeug zu den Berliner Filmfestspielen.
Soweit ein kleiner Ausschnitt aus dem Berufsleben des David Sanger, chief correspondent of the New York Times. Der Mann hat mit seinem Team zweimal den Pulitzerpreis gewonnen, ist ständiger Begleiter des amerikanischen Außenminsters John Kerry auf dessen Auslandsreisen. Seine Vorfahren stammen aus Obernbreit.
Wie wichtig ihm der Aufenthalt in Obernbreit war, zeigt sein Eintrag in das Gästebuch der ehemaligen Synagoge: „It means so much to me to see the streets, and the synagogue, where my great, great grandfather Sam Sanger grew up which he left, for New York . . . and ultimately Waco, Texas“.

Dass ihn der Aufenthalt in Obernbreit viel bedeutete, war auf Schritt und Tritt zu spüren. Mehrmals zog es ihn an den Platz, wo das Haus seiner Vorfahren stand. Immer wieder erkundigte er sich beim Anblick ältere Gebäude, ob die eventuell schon zu Zeiten seiner Ahnen standen.
Emotionaler Höhepunkt war der Besuch der ehemaligen Synagoge, wo die Auswanderer in ihrer Jugend gebetet hatten.
Für den Ur-Ur-Enkel des im 19. Jahrhundert ausgewanderten Samuel Sänger war der Besuch in Obernbreit eine kurze Auszeit in einem hektischen Leben in Hotels und Flugzeugen. Für die Mitglieder des Träger- und Förderverein ehemalige Synagoge Obernbreit bedeutet er eine Befriedigung und eine Bestätigung ihrer Bemühungen um Erinnerungen und Begegnungen.
Die letzten in Obernbreit verbliebenen Angehörigen der Familie Sänger, Rudolf und Leopold, wurden 1942 deportiert und ermordet. Umso wertvoller sind dem Verein die freundschaftlichen Beziehungen zu Nachkommen der frühzeitigen Auswanderer, die heute in Frankreich und den USA leben.